Eine kleine Bandgeschichte


Der Anfang

Kennen gelernt haben sich die meisten von uns Ende der 1980er Jahre an der Musikschule unserer Heimatstadt Recklinghausen, wo wir im Salonorchester "Dicht daneben" erste Erfahrungen mit jazziger Musik machten.

Im August 1995 bekam der unser damaliger Salonorchester-Schlagzeuger Timm Euler das Angebot, beim Sommerfest der Gaststätte "Haus Licha" in Recklinghausen-Süd mit einer kleinen Jazzband aufzutreten. Das Salonorchester mit etwa 20 Mitwirkenden war natürlich alles andere als eine kleine Jazzband, und Timm machte sich daran, für den bereits drei Tage später geplanten Auftritt eine Band zusammenzustellen.

Zur Urbesetzung gehörten neben Schlagzeuger Timm Euler auch Markus Conrads (Kontrabass), Anto Karaula (Gitarre) und Patrick Musial (Tenorsaxophon). Alle vier sind bis heute mit dabei.

Die erste (und vor dem ersten Auftritt einzige) Probe fand einen Tag vor dem Auftritt im Keller von Timms Eltern statt.

Wie der Bandname Entstand

Natürlich wurde für den ersten Auftritt ein Bandname gebraucht. Es gab aber noch keinen. Während wir bei der einzigen Probe vor dem ersten Auftritt unser Repertoire aus abgespeckten Salonorchester-Arrangements, Jazz-Standards und einigen sehr bekannten Evergreens (wie "As Tears Go By" oder "Yesterday") zusammenklaubten, kam es zu einem kuriosen Durcheinander: die beiden Jazz-Standards "Memphis Underground" und "Mister P.C." waren uns nur sehr oberflächlich bekannt und standen zudem auf demselben Notenblatt, so dass nach Timms Einzähler die eine Hälfte der Band den einen, die andere Hälfte der Band den anderen Song zu spielen begann. Das hörte sich nicht gut an, inspirierte uns aber, aus beiden Titeln einen (vermeintlich vorläufigen) Bandnamen zu kreieren: Memphis PC.

Die Band wächst und gedeiht

Schon bald nach dem ersten Auftritt, bei dem wir unser einstündiges Repertoire dreimal wiederholten, entschlossen wir uns, mit Raphael Muhle einen weiteren Freund, ebenfalls Saxophonist im Salonorchester und bei der Latin-Band "Out of Time", an diesem Spaß teilhaben zu lassen. Die Auftrittsanfragen häuften sich im Laufe des Jahres 1996 und Anfang 1997 stieß mit Klaus Porr an der Trompete ein weiter Freund und "Out of Time"-Veteran dazu. Mit Klaus hatten wir unseren typischen Sound gefunden: Rhythmusgruppe mit Gitarre, Bass und Schlagzeug plus Blech- und Holzbläser. In dieser Besetzung ging es bis 1998 weiter, bis dann Tobias Reisige für Raphael in die Band kam (zunächst am E-Piano, heute an Altsax, Klarinette und gelegentlich Flöte). Seit 2001 gehört Antos Bruder Oli an der zweiten Gitarre zur Band, seit 2002 komplettiert Tobias Wember an der Posaune den Bläsersatz. Nach sieben Jahren waren wir also zu acht.

Akustisch ist schöner

Zu Beginn unserer "Karriere" war der Sound noch deutlich elektrisch geprägt. Gitarre und Bass waren verstärkt und auch die Bläser kamen selten ohne Mikrofone aus. Es ohne Verstärker zu versuchen schien uns zwar wünschenswert (nicht zuletzt wegen der nervigen Schlepperei vor und nach den Auftritten!), aber gerade bei größeren Auftritten zunächst nicht realisierbar.

1999 kam dann die "akustische Wende": Anto, Klaus und Patrick fuhren spontan für eine Woche in die Toskana, um dort Straßenmusik zu machen. Natürlich ohne Verstärker und nur mit akustischer Gitarre, Trompete und Saxophon. Und siehe da: Es funktionierte, klang gerade bei den jazzigen und swingenden Stücken schöner und ausgewogener und ermöglichte es uns, innerhalb weniger Sekunden spielfertig zu sein.

Nach dieser Erfahrung sind wir mehr und mehr dazu übergegangen, akustisch zu spielen. mit sehr positiven Erfahrungen:

 Auch das Publikum weiß den akustischen Klang der Instrumente zu schätzen und unser Sound wird als angenehm (weil in der Lautstärke immer angepasst) empfunden.

Es ist fast überall möglich, akustisch zu spielen - oder lediglich mit einem Verstärker für die akustischen Gitarren, damit man die Soli auch hören kann.

Bei Auftritten auf großen Open-Air-Bühnen lassen wir uns manchmal "abnehmen", das heißt die akustischen Instrumente werden verstärkt, ohne aber das Klangbild von Memphis PC wesentlich zu verändern.

Doch auch auf ganz großen Plätzen vor hunderten Leuten geht es "ohne", wie wir auf unseren Italien-Tourneen erleben durften.

Die Italien-Tourneen

Mit der ersten Italien-Tour 1999 (Anto, Patrick & Klaus) wurde der Grundstein für eine wunderbare Freundschaft zwischen Memphis PC und der Toskana gelegt. Seither haben wir etliche Male im Sommer für ein bis zwei Wochen die Toskana und Umbrien bereist, um auf einigen der schönsten Plätze der Welt zu spielen. Die vielen Eindrücke und Erlebnisse lassen sich hier gar nicht aufzählen, aber sie haben uns musikalisch, menschlich und als Band geprägt. Das umwerfende Gefühl, auf dem Campo in Siena, zwischen den Türmen von San Gimignano oder auf der Piazza IV. Novembre in Perugia vor hunderten, manchmal sogar über tausend Menschen aus aller Welt spielen zu dürfen, lässt sich kaum beschreiben. Aber man hört es, hoffentlich, in unserer Musik.

Musik und Philosophie

Für uns ist es am wichtigsten, dass unsere Musik uns und anderen Freude bereitet. Wo wir spielen, vor wem und warum ist uns einerlei, es macht uns immer Spaß und wir geben stets alles: ob im Anzug auf der Hochzeit, in kurzen Hosen und mit Strohhut als Straßenmusiker in Italien oder bei unseren Konzerten. Das hat sich in zwanzig Jahren nicht geändert.

Der "magische Moment", wenn acht Freunde zusammen Musik machen, die Band anfängt zu swingen und Publikum und Band in Freude an der Musik vereint sind, kann einen auch über manche Alltagsschwierigkeit hinwegtragen.

Wir sind noch immer neugierig auf neue Songs und Stile und wollen uns musikalisch weiterentwickeln - und freuen uns, wenn es klappt.

Ob Swing oder Latin, Up-Tempo oder Ballade: Hauptsache, es klingt gut, macht Spaß und berührt - Band und Publikum